Online Reputation Teil 1: Hühnerbrüste in der Bundesliga

Online Reputation Teil 1: Hühnerbrüste in der Bundesliga

08.10.2012
Von Bastian Wiesemeyer
1 Kommentar

Online Reputation Teil 1

Egal ob es sich um Ihre Firma oder um Ihre Privatperson handelt, im Internet kann die Online Reputation sehr schnell leiden. Seien es Facebook Gruppen von teilweise verärgerter Kundschaft oder beleidigende Tweets des Ex-Partners. In diesen Fällen ist Online Reputations Managment wichtig, um selber zu bestimmen, was andere über die eigene Firma oder Person im Netz lesen. Deshalb werden in dieser dreiteiligen Serie die Online Reputation und das Online Reputation Management beleuchtet.

In diesem ersten Teil möchte ich mich der Online Reputation von Firmen und Organisationen zuwenden und zwar anhand eines konkreten Beispiels aus dem August 2012. Der Bundesligist Werder Bremen war auf der Suche nach einem neuen Trikotsponsor fündig geworden, die Firma Wiesenhof und Werder Bremen unterzeichneten einen Zweijahresvertrag. Womit Werder Bremen nicht gerechnet hatte, war die schon während der Verhandlung aufschwappende Welle der Empörung, die sich im Netz breit machte. Die Fans sahen in einer Firma, welche wegen der Tierhaltung und den Mastmethoden in der Kritik stand und steht, eine unpassende Trikotwerbung. Ob die Top 10 Suchergebnisse der beiden Anfang Oktober noch Zeichen dieser Welle spüren, soll hier erläutert werden und zugleich geschaut werden, welche Maßnahmen für die eigene positive Online Reputation ergriffen werden können oder schon ergriffen wurden.

Die eigene Marke im Netz stärken

Doch zunächst noch einmal in den August: Werder Bremen nahm das Angebot von Wiesenhof an, obwohl sich im sozialen Netzwerk Facebook Gegenbewegungen gebildet hatten. Die Seiten „Wiesenhof als Werder-Sponsor? NEIN Danke“ und die gleichnamige Gruppe setzten sich also nicht gegen den Willen Werders durch*. Im sozialen Netzwerk und bei den Fans hat also die Reputation von Werder Bremen gelitten, doch wie sah es allgemein im Netz aus? Die Top 10 sollte Werder Bremen nicht verunsichern.

Die Vereinsseite wird nämlich von Google als wichtigste direkt nach den Spielplaninfos der UEFA bewertet. Das sieht bei vielen offiziellen Seiten nicht so aus, doch hier wird die Werder-Seite nicht nur als wichtig eingestuft, sondern auch Werder Bremen als Brand der Seite anerkannt. Dies führt dazu, dass nicht nur die Hauptseite in den SERPs angezeigt wird, sondern zusätzlich Unterseiten als Snippets, die von Google als wichtig erachtet werden, oft auch „Sixpack“ genannt. Rechts wird noch das Google+ Profil angezeigt und da viele Nachrichten- und Sportseiten eine eigene Werder Bremen Kategorie vorweisen können, ist es für entgegengesetzte Blogartikel und Facebookgruppen nicht leicht, unter die Top 10 vorzustoßen.

Wie Werder die SERPs weiter verbessern könnte

Eine Möglichkeit für weitere SERPs Domination, ist bei AdWords möglichst viele Namensvariationen zu kaufen, die meisten PC-Nutzer würden bei der Ergebnisseite ohne zu scrollen wohl nur noch die Anzeigen, das Google+ Profil sowie die UEFA Seite und Bremens „Sixpack“ sehen. Weitere Ansätze für Werder Bremen wäre das Anlegen zusätzlicher sozialer Profile, der Facebook- und Twitter-Account ist schon einmal auf der ersten Seite dabei, das YouTube Profil jedoch erst auf Seite 4.

Da Werder Bremen auch Arbeitgeber ist, wäre ein Xing-Account nicht weit hergeholt, schließlich gibt es die Kategorie „Jobs bei Werder“ auf der Homepage. Der offizielle Werder Fanshop ist über werder.de zu erreichen, alleine rankt er nur auf Seite 2 oder 3.

Insgesamt hat Werder Bremen natürlich den Vorteil, dass jede Woche neue Spielberichte bei starken Seiten erscheinen und dann weit vorne ranken und ältere Zeitungsberichte oder Beiträge schneller nach hinten abrutschen.

Wenn die Top 10 zum Feind wird

Bei Wiesenhof sieht es nicht so rosig aus, wenn der Firmenname gegoogelt wird. Dominierend ist die Firma bei der Top 10 nicht. Wiesenhof hat zwar AdWords Anzeigen gebucht, um die Seite wiesenhof-privathof.de als erstes angezeigt zu bekommen, muss sich den Platz aber direkt mit einer PETA-Anzeige gegen Massentierhaltung teilen. Bzw. war das der Stand Mitte September, als dieser Artikel gestartet wurde. Im Oktober steht nur die PETA-Anzeige oben. Zumindest ist aber die eigentliche Hauptseite (wiesenhof-online.de) direkt das erste natürliche Ergebnis in den SERPs. Im Gegensatz zu Werder Bremen gibt es für die Seite aber kein Sixpack, sondern nur 4 Unterseiten ohne Snippet, so dass weitere andere Ergebnisse auf der ersten Seite Platz finden, so steht Anfang Oktober die PETA auch mit einem Artikel in den Top-Ergebnissen.

Problematisch ist zusätzlich der Name, denn den Wiesenhof gibt es nicht nur als Marke, sondern auch als reell existierende Höfe bzw. Hotels, die sich mit ihren Seiten ebenfalls auf der ersten Seite tummeln und teilweise sogar gleichwertige oder bessere Sistrix-Werte bieten. Weitere Ergebnisse auf der ersten Seite sind Protestvideos gegen Wiesenhof und als Trikotsponsor von Werder. Bei der Bildersuche erscheinen auch keine Logos oder Produkte als beste Ergebnisse, sondern Werder Trikots und Fotomontagen auf dem Trikot. Auch die Anti-Werder/Wiesenhof-Gruppe ist Anfang Oktober in die Top 10 vorgedrungen.

Ist Wiesenhofs Online Reputation zu retten?

Ich suche gerade nach einer besseren Antwort als „Nö!“. Auf jeden Fall sieht es momentan nicht so aus, als könnten die SERPs in Bälde sich zu Gunsten Wiesenhofs drehen. Soziale Netzwerke erscheinen für die Marke gar nicht, wenn das Profil von Wiesenhof bei Facebook ein echtes ist, kann man nur „Gute Nacht“ sagen. Logo einpflegen und auf den Wikipedia-Eintrag verlinken ist keine Aktivität im Social Media Bereich.

Weitere Profile scheinen nicht zu existieren, auch bei Xing ist der Betrieb (laut Website 5000 Mitarbeiter) nicht vertreten. Diese Profile müssten angelegt und gepflegt werden, die Hauptseite mit 9 Hauptkategorien und weiteren Unterkategorien sollte eigentlich in der Lage sein, einen „Sixpack“ in den SERPs zu erreichen. Eigene positive Videos zu erstellen und Artikel auf Nachrichtenseiten über – auch wirklich vorliegende – bessere Tierhaltung wären wohl die einzigen Möglichkeiten, an den Werder/Wiesenhof Artikeln vorbeizukommen. Ein erster Schritt ist bspw. das Interview des Geschäftsführers mit der FAZ vom 24. September, welches es in die Top 10 geschafft hat.

Ausblick

Im nächsten Teil wird es um die Online Reputation von Einzelpersonen gehen (Stichwort: Personal Branding). Im abschließenden Teil 3 dreht sich alles um die Anbieter von Online Reputations Managment Diensten in den USA und in Deutschland sowie deren Methoden.

*Eine große Möglichkeit den Sponsor abzulehnen hatte Werder wohl auch nicht. Den Sponsor sucht die Vermarktungsfirma infront, ohne triftigen Grund kann Werder nicht ablehnen, sondern würde Millionenverluste hinnehmen. Bericht des NDR

Bild: panthermedia | Sergey Khakimullin


Über den Autor

Bastian Wiesemeyer

Bastian Wiesemeyer arbeitet seit März 2010 bei der ANGRON GmbH in den Bereichen Redaktion und Kundenbetreuung. In seiner Freizeit bloggt er als Der Filmwiese.
XINGTwitterFacebookGoogle+

Kommentare:

  1. Im März 2013 ist die Reputation von Wiesehof noch immer angeschlagen, auch von WOT gibt es eine rote Warnung. Dennoch: dem Geschäft scheints nicht zu schaden. NDR meldet am 14.2.: Wiesenhof verkauft noch mehr Geflügel.